Was kann schlimmer sein, als zur Zeit im Winter in einen Dschungel zu reisen?

Sensationsgier, Mediengeilheit und Geldgier ???

Und was kann schöner sein, als im Januar auf eine zur Zeit einsame Insel zu reisen?

Interesse, Naturverbundenheit und Abenteuerlust!!!

Vor allem, wenn man dann gar nicht merkt, auf einer Insel zu sein, weil rundherum nichts anderes herrscht als Nebel, Nebel, Nebel...

Helgoland a

So geschehen am Wochenende auf der Hochseeinsel Helgoland.

Helgoland b

Und warum?

Weil Sohnemann sich für drei !!! Praktikumsmonate auf die Vogelwarte Helgoland begeben hat, um Stars, äh, Stare zu zählen. Unter anderem natürlich.

Zahlreiche vorbeiziehende und teils dort rastende Vögel werden nämlich regelmäßig in einen großen Fanggarten gescheucht, falls welche in der Nähe sind, wohlgemerkt und wenn man Glück hat, sind da auch welche, werden gezählt und beringt - und dann natürlich wieder freigelassen, versteht sich. Zur Zeit hat man leider etwas weniger Glück, aber im Frühling können auch schon mal durchaus sechshundert kleine Vögel den Garten passieren. Dann ist richtig Stress angesagt!

Eine wissenschaftliche Arbeit für die Vogelzugforschung und die Populationsökologie. Daher hier auch keine detaillierten Fotos. Alles geheim im Namen der Wissenschaft, jaja...

Helgoland d

...einen Blick kann man ja mal riskieren...

In den nicht einmal 24 Stunden Aufenthalt ( die Fährzeiten sind im Winter alles andere als wochenendfreundlich) haben wir dank Sohn allerlei Interessantes erlebt:

  • einen Rundgang um die Insel ( die Lange Anna war gerade noch im Nebel zu erkennen)

Helgoland e

  • eine fachmännische Führung auf der Vogelwarte mit Fanggartenbesichtigung nur für uns (scheuchen durften wir auch...)

Helgoland c

wie gesagt - mehr geht nicht...hier ist Stop für die Öffentlichkeit...

  • ein fulminantes Mahl am Abend in den Moccastuben, ein durchaus empfehlenswertes Restaurant in dem ansonsten etwas in den 70er Jahren stehengebliebenem Inselcharme , mit angeschlossener Bar, um in einen voll volljährigen Geburtstag reinfeiern zu können ( aus Müdigkeitsgründen aber nicht durchgehalten).

Auch wenn nicht alle Restaurants in der kalten Jahreszeit geöffnet haben, eine Spezialität sollte man sich auf Helgoland nicht entgehen lassen:

Knieper, in der Helgoländer Sprache Halunder genannt, sind Taschenkrebsscheren, die mit etwas Suppengrün, Möhren und Sellerie in leicht gesalzenem Wasser gekocht werden und traditionell mit drei über Nacht durchgezogenen Mayonnaise-Saucen und Baguettebrot serviert werden.
Nach einer fachmännischen Einführung konnten meine beiden Begleiter nur neidisch auf meine mit Zitronen garnierte Platte schielen, allerdings brauchten ihre ausgesuchten Gerichte sich wahrlich nicht verstecken:
Hamburger Pannfisch mit perfekt gebratenen Bratkartoffeln und saftiges Dorschfilet auf mit Sahne und Muskat abgeschmecktem Blattspinat konnten durchaus mit meinen Taschenkrebsen mithalten.

Helgoland f

Und nicht zu vergessen bei der steifen Brise ,die hier fast immer herrscht, ist eine weitere Helgoländer Spezialität:

der Original Helgoländer Eiergrog aus Ei, Rum und Arrak, aufgefüllt mit heißem Wasser und mit einem Strohhalm getrunken, lecker!!!

Da hatten wir es doch um einiges angenehmer als die Stars im Dschungel, hier bekommen nur die Vögel Maden und Würmer zu fressen...